Falsch berechnete Dachfläche, entnommen aus dem Angebot für die Neueindeckung.

Auf ähnliche Weise entstehen Unterschiede hinsichtlich der realistischen Dachfläche zwischen Hausbesitzer und ausführender Firma, wenn der Hauseigentümer die Zahlen für die Dachfläche aus dem Angebot für eine Neueindeckung des Daches entnimmt. Auch hier ist die Fläche, die ein Dachbeschichtungsbetrieb ausgerechnet hat, angeblich immer größer, als die Fläche, die ein Dachdeckerbetrieb im Angebot präsentiert. Die Hausbesitzer sind sofort misstrauisch und „wittern“ Betrug. Versuchen wir auch hier die Wahrheit zu finden und nehmen uns das typische Angebot für eine Neueindeckung unter der Lupe.

Als Berechnungsbeispiel wird ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer gesamten Dachfläche von ca. 190 m² genommen (25 Pfannen hoch, ca. 11m breit). In schriftlichem Angebot des Dachdeckerbetriebes liest der Hausbesitzer aber schwarz auf weiß: 171m² Frankfurter Pfanne liefern und auf der angebrachten Lattung decken. Ein Unterschied in Höhe von 19 m² liegt angeblich vor. Wenn man aber das Angebot der Dachdeckerfirma nicht nur überfliegt, sondern aufmerksam weiter liest, dann findet man später auch folgendes: 100 Ortgänge liefern und montieren, alternativ: 34 laufende Meter mit Braas Giebelstein liefern und montieren. Danach entdeckt man weiter: 28 Stk. Firststeine liefern und montieren, alternativ: ca.11 laufende Meter First herstellen. Solange der Hausbesitzer das Zeichen m² oder das Wort Fläche nicht sieht, werden andere Zahlen einfach nicht wahrgenommen, man vermutet nicht, dass sie irgendwas mit der Fläche zu tun haben könnten. Allerdings sind Ortgänge auch Dachpfannen, nur eckige, die am Ende des Daches links oder rechts montiert werden (waagerechter Teil ist ca. 30 cm. lang, senkrechter Teil – ca.15 cm lang, die überdeckte Höhe – ca. 34 cm). Firste sind auch Dachpfannen, nur runde, die sich an der Spitze des Daches befinden. Und diese Ortgänge und Firste gehören auch zu der zu berechnenden Dachfläche, sie werden schließlich auch beschichtet. Wenn man die Flächen von 100 Ortgängen + 28 Firsten genau zusammenrechnet, dann kommt man fast exakt auf die strittigen 19 m². Es ist aber in der Dachdeckerbranche so üblich, dass man diese Positionen separat und aus technischen Gründen ohne Quadratmeterfläche ausweist, was zu o.g. Differenzen, Missverständnissen und manchmal sogar zu „Vertrauensbruch“ führt.