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"Geiz ist geil"

Austausch von Erfahrungen oder einige Ratschläge an den Hausbesitzer

Im Laufe unserer ca. 12 jähriger Tätigkeit im Bereich der Dachbeschichtungen haben mehrere enttäuschte und unzufriedene Hausbesitzer sich beklagt, dass sie mit der Dachsanierung schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Meistens läuft es folgendermaßen ab. Es erscheinen unangefordert ein paar in Berufsbekleidung angezogene „angebliche“ Dachbeschichter an der Haustür und wollen sofort das Dach reinigen und imprägnieren oder versiegeln. Diese Wörter, wird sich zeigen, sind nicht vergebens so gewählt. „Wir kommen gerade von einer anderen Baustelle und haben noch Farbe übrig“ wird oft argumentiert. Kein seriöses Unternehmen gibt aber den eigenen Beschichtern zuviel Farbe mit. In Wirklichkeit bedeutet es, dass diese Farbe an anderen Kunden „gespart“ wurde, indem einige Eimer weniger als benötigt gebraucht worden sind. Es handelt sich von vornherein um einen geplanten Betrug.

Nach raschen Verhandlungen mit dem Hauseigentümer wird der anfangs vorgeschlagene Preis häufig 2- bis 3-mal verringert. Dann wird ohne einen Vertrag abzuschließen und ohne die Leistungen schriftlich zu fixieren sofort mit der Arbeit begonnen. Nach buchstäblich 3-5 Stunden Reinigung (zu schnell, nicht gründlich, nicht porentief, an den Unterkanten und in den Fugen – Moosreste, die für einen unerfahrenen Hausbesitzer nicht so schnell zu finden sind) wird das Dach mit einer schäumenden (um einen optischen Effekt zu erzielen) Klarflüssigkeit besprüht. Diese Flüssigkeit, die womöglich nach dem ersten oder zweiten Regen aus den Poren ausgewaschen wird, ist weder eine Imprägnierung noch eine Versiegelung, geschweige denn eine Beschichtung, vor allem keine hochwertige Beschichtung.

Die kurzfristig sauberen Poren und Kapillaren werden sehr schnell verschmutzt sein, es entstehen bald wieder Moose, Algen und Flechten. Die „Betrüger“ nutzen kalt aus, dass die Hauseigentümer oft keinen Unterschied zwischen einer Beschichtung, Versiegelung oder Imprägnierung verstehen und versuchen eine absolut nutzlose, kurzfristig wirkende Reinigung als Beschichtung zu „verkaufen“.
Außerdem handelt der Hauseigentümer gesetzwidrig, weil die Arbeit ohne Vertrag und ordentliche Rechnung vollzogen wird (zu 99% wird Bargeld verlangt). So fördert er die Schwarzarbeit.

Im Endeffekt hat der Hauseigentümer erfahrungsgemäß außer einer Mobiltelefonnummer und einer nutzlosen Quittung über den Geldempfang gar nichts in der Hand um später Ansprüche zu erheben und realisieren oder Reklamationen durchzusetzen.
Auch wenn das Dach von solchen „schwarzen Schafen“ doch beschichtet werden sollte, weiß der Hausbesitzer immer noch nichts über die Qualität der Farbe, Trockenschichtdicke der Beschichtung, ob grundiert wurde?, wenn ja, dann womit?, ob zwei mal beschichtet wurde oder einmal im so genannten Kreuz – und Querverfahren?, ob die Farbe aus einer 0,025 inch Düse oder aus einer 0,017 inch Düse airless aufgebracht wurde? (mehrmals dünnere Farbschicht), ob Referenzobjekte (am besten mehrjährige) in der näheren Umgebung existieren? usw.

„Geiz ist geil“, aber schon nach kürzester Zeit meldet sich bei der angegebenen Handynummer nur noch eine freundliche Damenstimme mit dem Satz: „Diese Nummer ist nicht vergeben (...)“. Die Enttäuschung am Ende ist groß.

An dieser Stelle einige bewährte Ratschläge an die Hausbesitzer:

Vorsicht vor Firmen oder Einzelpersonen, die ohne ausführliches Angebot, Bedenkzeit und schriftlichen Vertrag sofort mit der Arbeit anfangen wollen.
Vorsicht, wenn im schriftlichen Vertrag keine feste Adresse, HRA oder HRB Nummer beim zuständigen Amtsgericht, Steuernummer, Festnetztelefonnummer, Bankverbindung und andere gewöhnliche Merkmale angegeben sind.
Vorsicht vor den Dachbeschichtern, die einen Firmensitz im Ausland haben. (Es gilt kein deutsches Recht! Reklamationen, Nachbesserungen oder Klagen sind kaum durchsetzbar).
Vorsicht vor Betrieben oder Einzelbeschichtern, die keine mehrjährigen Referenzadressen nachweisen können oder „Farbe übrig“ haben.
Vorsicht, wenn jemand zum besonderen Preis nach Musterhäusern zum beschichten sucht oder eine ungewöhnlich großzügige Garantie anbietet. Dachbeschichtungen sind mittlerweile sehr bekannt, fast in jedem abgelegenen Dorf kann man eine finden. Und ob so eine Firma in 10 oder 20 Jahren noch existiert, ist zu bezweifeln.

Vorsicht, wenn jemand am Telefon, im Prospekt, auf der Messe oder im Internet ohne das Dach anzuschauen einen unglaublich günstigen Quadratmeterpreis verspricht. Erstens weiß man nichts über die Qualität der Farbe (Reinacrylat? Styrol-Acrylat? usw.). Zweitens wird der Preis sehr häufig ohne MwSt. genannt. Drittens übersieht der Interessent das kleine Wort „ab“. Viertens kann bei gleicher Dachfläche der Materialverbrauch bei einem Dach mit alten grobbesandeten Pfannen im Vergleich zu einem Dach mit relativ neuen Pfannen doppelt so hoch sein mit der Folge, dass die Beschichtung entsprechend mit zweimal weniger Farbmenge als notwendig vorgenommen werden muss um den vorher angekündigten Quadratmeterpreis einzuhalten. Die Qualität einer solchen „Beschichtung“ wird sich erst nach 5 Jahren offenbaren, aber dann ist häufig die ausführende Firma womöglich bereits verschwunden und nicht mehr greifbar.

Juristisch ist zwar nichts zu beanstanden, aber nicht unbedingt seriös erscheint eine schnell neu gegründete Ltd oder, dass die Beschichtungsfirma keine eigenen Prospekte hat, sondern im Prospekt vom Farbhersteller einen Stempel oder gar eine Handynummer einsetzt. Im ersten Fall kann man eine Ltd genauso schnell liquidieren und dann eine neue mit einem etwas
veränderten Namen nochmals gründen (Garantie geht auf jeden Fall verloren). Im zweiten Fall hat die Firma kein „eigenes Gesicht“ um etwas Persönliches und Maßgeschneidertes anzubieten. Des Weiteren kann man vermuten, dass die Firma kein Geld hat um Prospekte drucken zu lassen. Die Gründe dafür kann man nur erahnen oder in der Qualität der Dienstleistung suchen.
Vorsicht, wenn die Beschichtungsfirma mit einem z.B. 10-jährigen kostenlosen Wartungsvertrag oder einer kostenlosen Dachinspektion wirbt. Erstens steht es normalerweise nur im Prospekt, nicht im Vertrag. Zweitens dient es nur dem Zweck, dass die Firma sich somit die Möglichkeit beschafft später irgendetwas am Dach zu „entdecken“, was nicht der Gegen-
stand des Auftrages für die Beschichtung war, um den Kunden abzukassieren. Keiner bietet etwas umsonst an.